Als Vorankündigung gab es “Endhaltestelle” feat. Kaput Krauts von dem neuen Album zu hören. Kurze Zeit später aus dem Nichts das Release Date. Eigentlich der 22.11.2013 doch dann hatte ich die Scheibe 2 Tage nach der Bestellung im Briefkasten. Ob bewusst zum Reviewen oder einfach frühere Auslieferung: Hat mich auf jeden Fall gefreut und danke an Twisted Chords.

Gute zwei Jahre und zwei Web EPs nach dem letzten Album “Irrlicht” veröffentlicht der Berliner Zeckenrapper also nun sein neues Album “Ausgezogen aus Nimmerland”. Nach dem für mich nicht ganz so ansprechenden Ausflug der “Harlekin EP”, feierte ich musikalisch dafür inhaltlich die Wintersport Konzept-EP “Haus am Berg” wieder ein wenig mehr. Das im September 2011 erschienene Album “Irrlicht” hielt sich allerdings bis zuletzt hartnäckig in meiner Playlist. Tracks wie “Irrlicht feat. Kobito”, “ S.Freud oder Feind”, “Sternzeichen Maschine”, “John Maynard 2.0″ oder “Tanz den Zeitgeist” haben sich tief eingebrannt. Deshalb größte Spannung auf das neue Album.

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Entspannte aber zielgerichtete Töne gibt es gleich zu Anfang des neuen Albums. “P.Pan” bildet ein perfektes Intro in gewohnter Pyro One Manier. Track Nummer zwei “Ausgezogen aus Nimmerland” feat. Mazemirror gab mir dann gleich in den ersten Sekunden beim ersten Mal hören die Anweisung, das Teil auf der Anlage abzuspielen. Etwas anderes wie Subwoofer und ordentliche Boxen (z.B. Notebookboxen) wird dem Teil auf keinen Fall gerecht. Der Song ist eine Soundbombe. Gleich zu Anfang die gesungene Hook, Pyros Strophe mit abgewandelter Hook als Bridge zur zweiten Strophe – hier passt einfach alles. Zumindest wenn man diesen Pyro One meets LeijiONE typischen Sound mag. Ein würdiger Titelsong.

Mit “Deplatzierte  Glückslinder” hat auch TickTickBoom Mate Kobito wieder einen Platz auf dem Album gefunden. Inhaltlich ein gewohnt starker Song der auch seine Message gut rüberbringt. Allerdings gefällt mir das Beat2.0 Instrumental hier ausnahmsweise nicht so toll. Auch Kobitos Gesang geht in der Hook etwas unter. Ein Knaller der die Verzweiflung und Wut der Thematik wieder richtig gut vermittelt wurde mit “Fensterplatz” geschaffen. Hier ist auch der Beat von Beat2.0 wieder ein absolutes Brett. Das Lied erzählt von einer Dame an ihrem Fensterplatz die Veränderung und die hoffnungslos scheinende bzw. nicht vorhandene Rebellition dagegen in ihrem Viertel beobachtet.

Dann kommt das “Letzte Einhorn” wieder auf einem Beat2.0 Instrumental angeritten. Runder und eckiger Song zugleich über die Schublade Zeckenrap. Yeah, und dann werden wieder die E-Gitarren gezückt. “Endhaltestelle” feat. Kaput Krauts für mich als Crossover Liebhaber ein musikalisches Hoch. Der Mix aus schroffer Gitarre, Beat und Drums mit agressiver Ansage an all diese scheiß Scheiße – klasse. :) Muss man aber sicherlich mögen.

Track #7 “Aus dem Rahmen” bietet wieder diese erwähnte, einzigartige Pyro One – LeijiONE Klangkunst. Durch das bewusst etwas schneller gehaltene Instrumental kommt nicht ganz diese Atmosphäre wie z.B. bei “John Maynard 2.0″ auf, aber dennoch spricht der Sound wieder für viel Feingefühl. Wieder ein Viertelerhaltungs Track das die Message über das Verdrängen der Subkultur aus dem Kiez anspricht. Super einprägsamer Song mit gesungener Hook und klasse Bridge am Ende des Songs namens “Ein Stockwerk Traum“.

Als nächstes gibt es erstmal ein nüchternes aber sehr gutes Klangbett über das Pyro den Nachwuchs huldigt. In der Hook wird er im Hintergrund von Jools unterstützt, was wieder zu einer einmaligen Einprägsamkeit von “Sandkuchen” führt. Der im Anschluss folgende Beat2.0 Beat erinnert mit seinen Snarerolls als erstes an einen Ami-Crunk Track. Kommt dann aber doch anders und es entsteht daraus ein allgemein kritisches Pyro One Stück namens “Kapuzineräffchen lesen keine Karte” mit dem Aufruf zur Aktion. Ähnlich bildet dann auch “Proberaum/Liebfrauenmilch” den Abschluss des Albums auf einen schönen, eher nicht so knalligen Instrumental das mich spontan an “30 seconds to mars – Kings and Queens” erinnert.

Fazit: Auch wenn das alles nach der “Ultimativen Lobhudelei” klingt – erwartungsgemäß wieder ein abwechslungreiches, experimentelles, rundes und sauber produziertes Album was Pyro One da u.A. zusammen mit LeijiONE bzw. Beat2.0 abgeliefert hat. Zumindest meine Wenigkeit kann sich derzeit einfach nicht satthören an diesen 11 Tracks. Diese 9 Euro (https://www.twisted-chords.de/mod/artikel/5963/) für die CD oder 10 Euro für die Vinyl (https://www.twisted-chords.de/mod/artikel/5964/) sind bestens angelegt.

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